Die Eiszeit-Jägerin

Die ausgestorbenen Säbelzahnkatzen sind für viele Menschen das Sinnbild des gefährlichsten Raubtieres überhaupt. Der sensationelle Knochenfund einer Säbelzahnkatze auf der Grabung Schöningen beweist nun, dass die frühen Menschen aus der Altsteinzeit dieser Raubkatze tatsächlich noch vor 300.000 Jahren begegnet sind – Experten bezweifelten dies bislang stark. Anhand der seltenen Fossilfunde stellen sich den Wissenschaftlern jetzt viele Fragen – beispielsweise wie die etwa 200 Kilo schweren Tiere wohl aussahen, wie sie lebten, wie sie jagten. Haben die Säbelzahnkatzen mit unseren Vorfahren um Beute gekämpft oder gingen sie sich aus dem Weg?

Antworten darauf finden Besucher ab Ostern 2017 im paläon – Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere im Rahmen der europaweit einzigartigen Sonderausstellung: „Die Eiszeit-Jägerin. Säbelzahnkatzen – die tödliche Gefahr“. Dank der großen Unterstützung des Fördervereins Schöninger Speere Erbe der Menschheit e.V. für diese spannende archäologische Wanderausstellung können die Gäste im paläon Fossilien von Säbelzahnkatzen aus der Region, aber auch ganz Europa erkunden. Das weltweit einzige aufgebaute Skelett einer europäischen Säbelzahnkatze ist ebenso wie die Vielfalt der heutigen wilden Katzenwelt zu bestaunen. Mutige Besucher können übrigens dem lebensecht nachgebauten Modell direkt in die Augen schauen.

ERLEBEN SIE AB OSTERN 2017 DIE TÖDLICHE GEFAHR.

BEGEBEN SIE SICH AUF DIE SPUREN DER SÄBELZAHNKATZEN.

Konkurrenz unter Jägern

Die letzten gesicherten Nachweise der Säbelzahnkatze in Afrika haben ein Alter von ca. 1 Million Jahren. Aus Südeuropa kennen wir dann ca. 500.000 Jahre alte Überreste, während die Schöninger Funde mit einem Alter von ca. 300.000 Jahren die jüngsten gesicherten Nachweise von Homotherium Reste aus Mitteleuropa repräsentieren.

Es ist interessant, dass in Schöningen bislang keine Löwenreste entdeckt wurden. Nur aus einer älteren, wärmeren Phase konnte der Fußknochen einer großen Raubkatze, vermutlich eines Löwen (Panthera (leo) sp.) geborgen werden.

So wie die Säbelzahnkatzen entwickelten sich die Löwen in Afrika. Von dort breiteten sie sich vor ca. 800.000 Jahren nach Europa aus, wo sie noch bis in historische Zeit auf dem Balkan überlebten. Da der Löwe als Nahrungskonkurrent anzusehen ist, dürfte seine Expansion den Rückgang der Säbelzahnkatzen befördert haben.
Die Ausbreitung des Menschen könnte ebenfalls einen Einfluss auf das Aussterben der Säbelzahnkatze gehabt haben, denn der Mensch trat ebenfalls erst in Afrika, dann in Süd- und Mitteleuropa auf und besiedelte schließlich Nord- und Südamerika. Auch wenn der Mensch sich vor der gefährlichen Säbelzahnkatze fürchten musste, so war er doch vor allem ein Konkurrent. Aus Schöningen wissen wir, dass sich die Menschen – vor allem tagsüber und in der Gruppe – mit effizienten Waffen auch gegen diese Gefahr wehren konnten. In der Nacht dürfte der Mensch sich allerdings in das sichere Lager zurückgezogen und der Säbelzahnkatze das Gelände überlassen haben.